Haushaltsrede 2009

    Fürth, den 18. Februar 2009

    Sehr geehrter Herr Landrat,
    liebe Kolleginnen und Kollegen,

    Neues Logo, neues Motto: "LeistungsFähig - LebensFroh"

    So stellt sich also nicht von Ungefähr die Frage zum Haushalt 2009: Sind wir leistungsfähig und werden wir bei nochmals gesenkter Kreisumlage des Lebens froh?

    Grüne Linie bei der Festlegung der Kreisumlage war immer, große Ausschläge zu vermeiden. Das Gegenteil zeichnet sich jetzt für den Haushalt 2010 ab.

    Um diese Kreisumlagensenkung zu finanzieren (Einnahmeausfall ca. 800.000 €), benötigt der Landkreis eine zusätzliche Kreditermächtigung von ca. 480.000 €, verbunden mit der Hoffnung, sie nicht zu benötigen.

    Die Initiative der Bürgermeisterrunde und ihrer Verhandlungsdelegation führt dazu, dass die Gemeinden finanziell ein wenig besser dastehen und der Spielraum des Landkreises etwas vom Konjunkturpaket II abzubekommen, ziemlich geschmälert wurde.

    Im Grunde eher ein optisches Spielchen. Die Verschuldungsquote zwischen Gemeinden und Landkreis wird eben hin und her geschoben. Ein Jo-Jo Effekt, den wir Grünen lieber vermieden hätten.

    Sehr geehrter Herr Landrat, sie haben ihren Ausführungen zum Haushalt die Überschrift vorangestellt: Vorsorgen - Investieren - Vorausplanen

    Der Idealfall eines soliden Haushaltes wäre ja bekanntlich, wenn die Investitionen über die Zuführungssumme des Verwaltungshaushaltes zum Vermögenshaushalt finanziert würden, also aus dem laufenden Steuer- und Umlageaufkommen und natürlich über die Bildung von Rücklagen. Beides ist im Kreishaushalt bei weitem nicht gegeben.

    Zusätzlich müssen wir alle davon ausgehen, dass die Steuereinnahmen zurückgehen werden. Und die Ausgaben im Sozialbereich weiterhin überproportional steigen.

    Wir Grünen, ich sage das ganz offen, haben ein Interesse daran, dass der Landkreis seine Vorhaben im Bereich Bildung (Ganztagsschulen), energetische Sanierung und verbessertes ÖPNV-Angebot umsetzen kann.

    2008 wurde mit den Vorarbeiten zur energetischen Sanierung kreiseigener Gebäude begonnen. In der mittelfristigen Finanzplanung wird dies fortgeführt und auch schon mal eine entsprechende Investitionssumme benannt (ca. 20 Mill.) Das ist klimapolitisch überfällig und verspricht über die Verringerung der Betriebskosten auch eine gewisse Entlastung des Haushaltes.

    In welchem Umfang der Kreis diese Investitionen umsetzen kann, bleibt absolut offen. Aber ich sage mal, zumindest die Richtung stimmt.

    Auch beim öffentlichen Nahverkehr geht es bekanntlich vorrangig um die Entlastung der Umwelt (Treibhausgase, Lärm, Ressourcenverbrauch). Abstriche in diesem Bereich würden wir nicht für zielführend halten. Im neuen Nahverkehrsplan sind schon einige Verbesserungen sichtbar, aber es muss sich noch weisen, ob sie mit dem jetzigen finanziellen Rahmen auch umsetzbar sind.

    Der Landkreis investiert auch vermehrt in den Ganztagsschulbetrieb. Insgesamt ist ja die Schullandschaft in Bewegung geraten. Speziell an unserer Realschule ist die Situation angespannt. Auch hier halte ich es für wenig vorausschauend, den Hebesatz zu senken und gleichzeitig einen Neubau zu fordern.

    Mit der Vorstellung des Konzeptes „Zukunftswerkstatt Familie“ setzen wir Grünen auf Prävention und niederschwellige Hilfe. Desto enger der finanzielle Spielraum des Landkreises ist, desto weniger wird uns das allerdings gelingen.

    Für die nächste Bundestagswahl im Herbst wollen CSU und FDP mit der Ankündigung von Steuersenkungen punkten. Das kommt sicher gut an, sollte aber redlicherweise begleitet werden mit dem Hinweis, dass dann auch die Kommunen weniger Einnahmen haben werden.

    Wir Grünen stimmen diesem Haushalt zu, weil er in vielen Bereichen in die richtige Richtung weist. Inwieweit sich das alles einlösen lässt, ist absolut offen.

    Insofern steht hinter ihrer Überschrift Herr Landrat Vorsorgen - Investieren - Vorausplanen ein dickes Fragezeichen.

    Norbert Schikora
    Fraktionsvorsitzender