Unter dem Titel “Bäuerliche Landwirtschaft am Ende?” veranstaltet der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen in Kooperation mit dem Bund Naturschutz und dem Bayerischen Bauernverband am Dienstag, den 19. Oktober 2004 eine Podiumsdiskussion in Cadolzburg.
    Im Wirtshaus “Zur Post” wollen ab 19:30 Uhr die Podiumsteilnehmer nach einer Bestandsaufnahme Perspektiven und Konzepte vorlegen, die den ländlichen Betrieben in der Region helfen sollen zu überleben. Zu überleben in einer Zeit, wo die Allmacht von Discountern und dem Motto “Geiz ist geil” größer denn je ist, bedarf es guter Konzepte und Ideen, die dem traditionellen Landwirt bei der Sicherung seiner Existenz helfen.
    Wie sehen die Landwirte ihre Situation, was erwarten sie vom Verbraucher und Konsument? Agrarreform, zukunftsfähige und umweltverträgliche Landwirtschaft, aber auch die Themen Regionalvermarktung, Gentechnik und Bioenergie sind Stichworte, die thematisiert werden wollen.
    Podiumsteilnehmer sind Kreisbäuerin Gisela Schilmeier, Marion Ruppaner, die Agrarreferentin des Bund Naturschutz, Thomas Ziegler, stellvertretender Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes und Adi Sprinkart, MdL von Bündnis 90/Die Grünen und Biobauer. Die Moderation wird von Dekan Friedrich Schuster aus Langenzenn durchgeführt.
    In der an die Podiumsrunde anschließenden allgemeinen Diskussion sind Landwirte, Verbraucher und alle, denen die Entwicklung unserer Region am Herzen liegt herzlich eingeladen, mit zu diskutieren.





    Die Fürther Nachrichten berichten am 31.10.2004:

    Verbraucher und Produzent an einem Tisch
    "Bäuerliche Landwirtschaft am Ende?": Gut besuchte Podiumsdiskussion in Cadolzburg

    von Johanna Scholz

    CADOLZBURG - "Bäuerliche Landwirtschaft am Ende?” Mit dieser Frage titelte der Grünen-Kreisverband eine Podiumsdiskussion, die auf reges Interesse stieß. In Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz und dem Bayerischen Bauernverband (BBV) wurde im Gasthaus "Zur Post" eine Bestandsaufnahme der Situation vorgenommen, aber auch versucht, Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln.

    Kritische Verbraucher und Bauern als Lebensmittelproduzenten fanden so zum regen Gedankenaustausch. Ungewöhnlich bereits, dass sich Vertreter von Interessenverbänden, die bislang eher konträre Positionen ein- genommen haben, an einen Tisch setzten. Dabei mag es durchaus als Zeichen der Annäherung gewertet werden, dass die Ökopartei einen Vertreter der Kirche als Moderator gewonnen hatte. Dekan Friedrich Schuster setzte jedenfalls deutliche versöhnliche Akzente und sorgte souverän dafür, dass die Diskussion ruhig und diszipliniert verlief.
    Die Haltung des BBV brachte der stellvertretende Kreisobrnann Thomas Ziegler ein. Er hob den hohen gesellschaftspolitischen Stellenwert der Landwirtschaft hervor; eine Branche, an die in Bayern jeder achte Arbeitsplatz geknüpft sei. Das Höfesterben halte weiter an, meinte der Langenzenner Landwirt und gab vor allem der schlechten Preissituation die Schuld an der Misere. Ohne staatliche Ausgleichszahlungen könne der Bauer überhaupt nicht existieren, warb Ziegler zugleich um Verständnis für Subventionen. Wie er beklagte auch stellvertretende Kreisbäuerin Bettina Hechtel die Wettbewerbsverzerrung auf dem europäischen Markt.
    Interessengleichheit stellte die Agrarreferentin des Bund Naturschutz fest, indem sie sich für kleinteilige Landwirtschaft aussprach. Vom Strukturwandel sei ebenso der Naturschutz betroffen, meinte Marion Ruppaner, da sich mit jedem Bauer, der aufgibt, die Artenvielfalt von Flora und Fauna reduziere. Die BN-Referentin bezeichnete die Agrarreform allerdings als “wichtigen Schritt weg von den Prämien für die intensive Landwirtschaft” und fand hier nicht nur Zustimmung bei den Bauern.
    Politische Position für Bündnis 90/Die Grünen bezog Adi Sprinkart. “Der Strukturwandel war verbandspolitisch gewollt”, lautete die Aussage des Landtagsabgeordneten. Er forderte eine Deckelung der EU-Fördermittel, denn solange 20 Prozent der Betriebe 80 Prozent der Subventionen kassierten, stimmen nach seiner Meinung die Rahmenbedingungen nicht. Dennoch könnten wohl langfristig nicht alle Bauern überleben. Der Grünen-Politiker empfahl den Landwirten, sich auf Nischenproduktion zu verlegen und differenzierte Märkte zu bedienen.
    Mehrere Stimmen aus dem landwirtschaftlichen Publikum bezweifelten den Erfolg solcher Strategien. Nischenproduktion finde längst statt und funktioniere auch nicht immer, so lautete der Tenor. Von Verbraucherseite wurde allerdings angeregt dass sich die Bauern mehr in Richtung Direkt- und Regionalvermarktung orientieren und sich für eine gentechnikfreie Produktion einsetzen sollten. Die Teilnehmer der Podiums diskussion fanden zu einem positiven Schlusswort, das die gemeinsamen Interessen von Verbraucher und Erzeuger in den Mittelpunkt rückte und von Vertrauen in die Stärken des Bauern geprägt waren.


    Resümee: Wir freuen uns, dass es gelungen ist, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen und über die Probleme der Landwirte und die Auswirkungen der Agrarreform zu diskutieren. Unseres Erachtens ist ein Anfang gemacht, um eine vorurteilsfreie (re) und verbändeübergreifende Strategie für unsere Region und die Kulturlandschaft im allgemeinen zu entwickeln.

    Wolfram Schaa, Kreissprecher