Pressemitteilung, 1. Februar 2004
Nach der Demonstration anläßlich des Besuches von Staatssekretär Freller am 1. Februar in Zirndorf sieht sich der Kreisverband der Grünen genötigt, dessen Erklärungsversuche zur voreiligen Einführung des G8 zu kritisieren und auch zu entkräften.
Dazu Jörg Bauer, schulpolitischer Sprecher der bündnisgrünen Kreistagsfraktion:
"Insgesamt zeugt die voreilige und übereilte Einführung des G8 zum neuen Schuljahr von ausgeprägtem Dilettantismus: Erst neue Lehrpläne für das G9 einführen,
dann über Nacht zurückgepfiffen werden und das G8 aus dem Boden stampfen - so betreibt die Bayerische Staatsregierung Bildungspolitik an allen Betroffenen vorbei."
"Absolut ungeklärt bleibt die Finanzierung: natürlich werden auf den Landkreis mit der Einführung des G8 erhebliche Kosten zukommen - schließlich existiert bis heute an keinem Gymnasium auch nur ansatzweise die Möglichkeit, Mittagessen anzubieten. Für die so genannten Intensivierungsstunden fehlt es an zwei von drei Gymnasien an Räumen. Mit dem neuen Lehrplan werden neue Bücher notwendig. Alle diese Kosten soll der Landkreis schultern, ein krasser Verstoss gegen das Konnexitätprinzip"
"Zur Finanzierung baulicher Maßnahmen verweist Herr Freller sehr gerne auf die 600 Millonen Euro, die der Bund für die Einrichtung von Ganztagsschulen bereit gesetellt hat.
Erst wollte die Staatsregierung dieses Geld nicht, jetzt steht es angeblich den Kommunen bei der Einführung des G8 zu Verfügung. Nur: diese Aussage ist unredlich, ja fast
verlogen: das Geld steht für alle (!!!) Schularten zur Verfügung, also auch für Volks- und Realschulen! Oder will Herr Freller die begonnene Einrichtung von Ganztagesschulen
in anderen Bereichen als dem Gymnasium wieder stoppen? Zudem ist ein Teil des Geldes bereits verplant. So zeigt sich, dass der Verweis auf diese Gelder nur vertuschen soll,
dass die Staatsregierung sich wieder aus der Verantwortung stehlen will und die Kommunen bei der Finanzierung allein lässt - ein Verstoss gegen die Verfassung!"
"Unverständlich bleibt, warum die Einführung des G8 so übereilt angegangen wird. Was spricht dagegen, G8 und G9 als Angebotsschulen in den nächsten Jahren nebeneinander her laufen zu lassen? An den Schulen könnten dann ohne Eile die notwendigen Voraussetzungen zum Betrieb des G8 geschaffen werden. Gleichzeitig würden 2011/2012 nicht zwei komplette Abiturientenjahrgänge in die Universitäten drängen.”
Die Antwort des Staatssekretärs, dass Schülerwanderungen erheblichen Ausmaßes erfolgen würden, befriedigt indes genauso wenig wie der Erklärungsversuch,
dass Bayern bei dem Problem der Doppeljahrgänge, Zitat:“die Zahl der Studienplätze erheblich ausweiten” würde.
Resümee von Jörg Bauer:
”Insgesamt gesehen drängt sich der Verdacht auf, dass das Kultusministerium seine Aufgabe ausschließlich darin sieht, die von keinerlei Sachkenntnis getrübten
Vorgaben des Landesvaters und der Mehrheitsfraktion ungefiltert umzusetzen. Wahrhaftig kein Beispiel für gelebte Demokratie!"
Wolfram Schaa
Für den Vorstand