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Grüße aus Nordkorea

Lernen gilt heutzutage als lebenslängliche Pflicht. Diese trifft auch Bürgermeister. Ab und an können Gemeindeoberhäupter etwa bei Treffs im Landratsamt ihren Wissenshorizont erweitern. So zeigte sich Zirndorfs Kommunalchef Thomas Zwingel beim jüngsten Kreisausschuss verwundert darüber, dass Firmenangebote für die Arbeiten am Obermichelbacher Kreisel fein säuberlich aufgelistet waren – in den Unterlagen des öffentlichen Teils. Ob das rechtens sei, fragte Zwingel, im Zirndorfer Stadtrat werde so etwas hinter verschlossenen Türen verhandelt. Nun gibt es ohnehin Stimmen, man könnte von bösen Zungen sprechen, die Zirndorf in Sachen Informationspolitik als Nordkorea des Landkreises beschreiben. Die Pflicht städtischer Mitarbeiter gegenüber Wissbegierigen beschränkt sich nämlich darauf, den Mund zu halten. Auskünfte erteilt hier nur einer – der Chef.

Auch unermüdliche Streiter im Stadtrat, die etwa Sitzungsprotokolle gerne im Internet veröffentlicht sähen, scheitern regelmäßig an Omerta, der Mauer des Schweigens. Doch weil es im Leben nie zu spät für Innovationen ist, empfahl Landrat Matthias Dießl dem SPD-Mann, das rechtlich wasserdicht abgesicherte Prozedere doch auch in seinem Stadtrat einzuführen: „Wagen Sie mehr Transparenz.“

Und wir hätten da auch eine kleine Anmerkung. Anfragen beim Landratsamt laufen – in bewährter Pauli-Manier – nach wie vor immer erst über Dießls Tisch, bevor die netten Kollegen der Pressestelle Ansprechpartner zuweisen. Unsere Empfehlung: „Mehr Freiheit wagen.“ Wir sind doch hier nicht in Nordkorea.

HARALD EHM

Quelle: Fürther Landkreisnachrichten vom 04. Juli 2008 S. 3

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