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Wasserbüffel dürfen noch nicht ins Wasser

Exotische Tiere als Landschaftspfleger: Ungewöhnliches Weideprojekt im Aurachgrund westlich von Bamberg

Genügsam und robust: Im Aurachgrund tummeln sich vorerst fünf Wasserbüffel. Exotischer Zuwachs für die 70-Seelen-Gemeinde Feigendorf in der Nähe von Walsdorf: Wasserbüffel beleben neuerdings den Aurachgrund westlich von Bamberg. Die kleine Herde ist Keim und Kernpunkt eines ungewöhnlichen Weideprojekts.

FEIGENDORF - Erst vor ein paar Tagen waren die schwarzen, massigen Tiere mit den großen Hörnern nach sechswöchiger Quarantäne auf dem Feigendorfer Biolandhof von Theo Gräbner eingetroffen. Die ursprünglich in Südost-Asien beheimateten Wiederkäuer stammen von einem Züchter in der Nähe von Leipzig. Nun liegen Bulle Diego und die vier noch namenlosen Kühe träge im Schatten der Bäume am Flussufer.

Zeit zum Eingewöhnen: In einigen Tagen dürfen die Wasserbüffel auch ins Wasser der Aurach, in drei bis vier Wochen steht ihnen dann das 18 Hektar große Weideland komplett zur Verfügung. Sie sollen sich vor allem das Schilf- und Binsengras einverleiben, das dort reichlich sprießt. Die fünfköpfige Herde ist eine neue Touristenattraktion im Aurachtal, in erster Linie aber der Grundstock für ein ganzjähriges Beweidungsprojekt, das dem Naturschutz und der Landschaftspflege dient. Nur für die Wintermonate stellt Gräbner den Büffeln einen Unterstand bereit.

Der 54 Jahre alte Bio-Bauer hat sich über die beinahe tonnenschweren Tiere gründlich informiert. Wasserbüffel sind genügsam und sehr robust, haben ein friedliches und bedächtiges Wesen, üben sich in fremder Umgebung erst einmal in Zurückhaltung. „Charakterlich passen sie gut ins Fränkische“, findet Gräbner.

Nicht nur charakterlich: Wasserbüffel eignen sich in idealer Weise für die Beweidung von feuchten Talauen. Mit Vorliebe suhlen sie sich in Tümpeln und Wassergräben. An der Aurach sollen sie die Feuchtwiesen offenhalten und eine Verbuschung verhindern.

Bundesweit ganz selten

Im Aurachgrund waren erst vor einigen Jahren die Talauen renaturiert worden. Weil dort Landwirtschaft und Beweidung mit Rindern nicht mehr möglich sind, kamen Landschaftspflegeverband, Naturschutzbehörde und Wasserwirtschaftsamt auf die Idee, Wasserbüffel auf dem teils sumpfigen und feuchten Grünland grasen zu lassen. Die Haltung dieser Tiere zu diesem Zweck war bis vor wenigen Jahren in ganz Deutschland die seltene Ausnahme.

Büffel können auch sehr eigenwillig sein, hat Gräbner erkannt: „Die lassen sich nicht treiben oder drängen. Notfalls legen sie sich hin, und dann ist erst einmal drei Stunden Pause“. Vielleicht, meint der Bauer nicht ganz ernst, „sollte ich in Zukunft auch Stressabbau-Seminare anbieten“.

HORST M. AUER

Quelle: Fürther Landkreisnachrichten vom 29. Juni 2011 S. 15

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