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Klares Nein zu Gemeindewerken

Die Einrichtung würde den Roßtaler Bürgern keine Vorzüge bringen

ROSSTAL – Rund vier Jahre lang hat sich der Marktgemeinderat mit der Gründung eigener Gemeindewerke, die das Strom- und Gasnetz übernehmen könnten, beschäftigt. Einige Seminare und Workshops sowie ein Gutachten einer Unternehmensberatung später ist sich das Gremium nun einig: In Roßtal wird es eine solche Einrichtung in absehbarer Zeit nicht geben.

Hintergrund für das Ansinnen war die auslaufende Konzession der N-ERGIE. Ein Gutachten der Unternehmensberatung Rödl und Partner kam zu der Erkenntnis: Die Gründung eigener Gemeindewerke wäre zwar sinnvoll und rentabel, aber nur mit einem Partner – der im Falle Roßtals wiederum die N-ERGIE wäre.

Bei Verhandlungen mit dem Unternehmen über mögliche Modelle der Zusammenarbeit sei man jedoch nicht auf einen gemeinsamen Nenner gekommen, wie Bürgermeister Johann Völkl erläuterte. Zwar wäre der Markt mit 51 Prozent der Hauptanteilseigner gewesen, hätte aber keine Entscheidung ohne Zustimmung der N-ERGIE treffen können.

Ausschlaggebend für die Ablehnung durch die SPD war für deren Vertreter Wolfgang Goroll, dass es „keine Veränderung oder Verbesserung bei der Strom- und Gasversorgung für den Markt und die Bürger“ gegeben hätte. Außerdem sei eine zusätzliche Schuldenaufnahme und damit ein hoher finanzieller Aufwand nötig gewesen, dem eine nicht attraktive Rendite gegenüberstünde.

Auch CSU-Frau Lydia Endres folgte dieser Argumentation. „Wir müssen mit kompetenten und sachkundigen Partnern, in unserem Fall der N-ERGIE, zusammenarbeiten und sind dann wieder abhängig, um nicht zu sagen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.“ Die vielen Unwägbarkeiten würden ein zu hohes Risiko bilden, „das wir zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht eingehen wollen“. Sie regte zudem an, nach und nach die Beleuchtungskörper der Straßenlaternen gegen stromsparende Leuchtmittel auszutauschen, um so „durch weniger Stromverbrauch echt zu sparen“.

Hartmut Igel von den Freien Wählern wies auf den „Mangel an diesbezüglichen Experten in den eigenen Reihen“ hin. Seiner Ansicht nach könnte ein Einstieg in Gemeindewerke über die Wasserversorgung laufen, in die auch die Gewinnung regenerativer Energie aus Wind- und Sonnenkraft eingegliedert werden könnte.

Den Nutzen für den Markt als viel zu gering erachtete auch Grünen-Marktrat Michael Brak. „Ein Vertragswerk mit der N-ERGIE, bei dem ohne deren Zustimmung gar nichts läuft, die Aussicht, nach zirka 20 Jahren einen Vermögenswert geschaffen zu haben und drei Personen aus dem Markt Roßtal im Aufsichtsrat – das ist mir zu wenig“, sagte er.

Einstimmig lehnte der Marktgemeinderat die Gründung von eigenen Gemeindewerken ab.

CLAUDIA WUNDER

Quelle: Fürther Nachrichten vom 5. April 2013

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