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Baumwolltasche statt Plastiktüte

Roßtal will als erste fränkische Gemeinde auf das Kunststoffprodukt verzichten

Andrea Platzer und Michael Brak von den Roßtaler Grünen warben mit dem Film »Plastic Planet« für ihre Umtausch-Aktion: Sie wollen Plastiktüten durch Stofftaschen ersetzen. Foto: Romir

ROSSTAL – Abschied vom „Plastic Planet“: Die Gemeinde Roßtal möchte der erste Ort in Franken werden, der komplett auf Plastiktüten verzichtet und sie durch Baumwolltaschen ersetzt.

Plastik ist auf den ersten Blick praktisch: robust, billig und leicht. Wer genauer hinsieht, entdeckt versteckte Gefahren. Der Stoff zersetzt sich kaum, landet in den Mägen von Tieren und daraufhin in dem von Menschen – ob er krank macht, ist umstritten. Vom wachsenden Müll ganz zu schweigen.

Sehr drastisch zeigt die Situation der Dokumentarfilm »Plastic Planet« von Werner Boote, den die Roßtaler Grünen in einer kostenlosen Sondervorstellung im evangelischen Gemeindehaus zeigten. Die Filmvorführung ist Teil eines ehrgeizigen Projekts: „Wir wollen die erste plastiktütenfreie Gemeinde in Franken werden“, sagt Michael Brak, einer der zwei Vertreter der Grünen im Marktgemeinderat. Auf die Idee kam er bei einem Seminar in Fürstenfeldbruck: „Die Bürger dort versuchten, die erste plastiktütenfreie Stadt in Bayern zu werden, hatten aber aufgrund ihrer Größe Schwierigkeiten“, berichtet Brak. „Doch wir haben mit 10 000 Bürgern nur ein Drittel der Einwohner – bei uns könnte es klappen.“

Den Auftakt machte eine Tauschaktion im September, bei der Michael Brak und die Mitglieder seiner Ortsgruppe Plastiktüten gegen hochwertige Baumwolltaschen eintauschten. Bewusst entschied man sich dabei für Taschen, die zwar grün waren, aber kein Parteilogo trugen: „Es geht uns nicht um Werbung, sondern um die Sache“, so Brak. Das kam bei den Roßtaler Bürgern sehr gut an: In nur zwei Stunden hatten die Grünen ihren gesamten Vorrat von 100 Baumwolltaschen eingetauscht.

Mit Plastik haben die Roßtaler Grünen schon viel Erfahrung. Bereits in ihren Anfangsjahren bewiesen sie großes Engagement: „1989 wurden jeden Samstag Plastikbecher gesammelt, gewaschen, sortiert und der Wiederverwertung zugeführt“, blickt Brak zurück. „Dafür standen die Bürger sogar bis zu einer halben Stunde Schlange. So konnten wir den Plastikmüll verringern – und das zwei Jahre, bevor die Gelben Säcke offiziell eingeführt wurden.“

Nun soll es also den Tüten an den Kragen gehen. Dabei kommt den Umweltschützern möglicherweise auch die EU-Kommission zu Hilfe – denn dort wird momentan über die Möglichkeit nationaler Verbote von Plastiktüten diskutiert. Doch darauf will man in Franken natürlich nicht warten – im Gegenteil. Der erste offizielle Schritt ist schon getan: Wenn Bürgermeister Johann Völkl künftig engagierte Bürger oder Jubilare auszeichnet, erhalten diese ihre Präsente und Urkunden in einer schicken weißen Baumwolltasche, auf der das Wappen von Roßtal prangt.

„Wir haben Unterstützung aus allen Parteien für unseren Antrag, die Gemeinde plastikfrei zu machen“, erklärt Brak. „Und für die Geschäftswelt wäre es ja auch ein tolles Alleinstellungsmerkmal, mit dem man werben kann.“ Vertreter des Gewerbeverbandes waren bei der Vorführung von »Plastic Planet« ebenso anwesend wie die Ortsgruppe des Bundes Naturschutz und der Obst- und Gartenbauverein. Alle zeigten sich beeindruckt von der Wucht des Filmes und der Dringlichkeit des Anliegens – weitere Gespräche zum Thema sind geplant: „Es herrscht eine Aufbruchstimmung“, fasst Brak zusammen. „Wir haben alle das Gefühl: Da können wir was machen.“

PETER ROMIR


Quelle: Fürther Nachrichten vom 27. Dezember 2013

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