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Kampf gegen die Gratis-Plastiktüte

Ab April dürfen Händler eine Abgabe für die umweltschädigende Tasche verlangen

VON GWENDOLYN KÜHN

Die Zahlen, die sich rund um die Plastiktüte ranken, sind erschreckend. 100 bis 500 Jahre dauert es, bis sie abgebaut ist, und nicht selten endet ihre Reise im Meer: Etwa sieben Millionen Tonnen Plastikmüll gelangen pro Jahr in die Ozeane, wo Millionen von Tieren daran verenden. Um die Zahl der Tüten – rund 70 Stück verbraucht der Deutsche im Jahr – einzudämmen, können Geschäfte ab April einen Obolus dafür verlangen. Die FN haben sich in Fürth umgehört.

FÜRTH – Kostenlose Plastikbeutel hingen bislang am Ende des Kassenbandes. An ihrer Stelle findet der Kunde im dm-Drogeriemarkt in der Neuen Mitte einen Info-Zettel vor, der aufzeigt, welche Alternativen das Geschäft nun bietet: Bei dm gibt es zum einen eine Tasche aus Papier, aufbereiteten PET-Flaschen und recyceltem Plastik, zum anderen Stoffbeutel. Sind sie beschmutzt oder beschädigt, kann man sie gegen neue eintauschen.

Schon seit 2015 hat dm keine kostenlosen Tüten mehr im Angebot; zunächst testete der Konzern den Verzicht in einigen Filialen. Weil Kunden dies „überwiegend positiv“ aufgenommen hätten, zieht man die Tüten nun ganz aus dem Verkehr, meldete das Unternehmen auf Anfrage der Nürnberger Zeitung, die unlängst alle drei großen Drogerieketten zu dem Thema befragt hatte.

Ebenfalls seit 2015 verzichtet der Drogeriemarkt Müller darauf, Gratis-Plastiktüten zu verteilen. Er verlangt inzwischen eine Gebühr für sie.

Anfang des Jahres zog auch Branchenkonkurrent Rossmann nach. Die dünnen Tütchen an der Kasse sind verschwunden – nicht alle Kunden reagierten darauf allerdings positiv, weiß Unternehmenssprecher Stephan-Thomas Klose auf Nachfrage zu berichten.

Den Unmut seiner Kunden hat Dirk Huffert nicht zu spüren bekommen, als der Fürther Saturn-Elektromarkt bereits vor einem Jahr die kostenlosen Plastiktüten durch kostenpflichtige ersetzte. Zwischen fünf und 50 Cent sind nun – je nach Größe – fällig. Huffert zufolge ist die Nachfrage dadurch deutlich gesunken.

Schwierige „Umerziehung“

Heinz Krekeler, Geschäftsführer der Buchhandlung Edelmann an der Fürther Freiheit, beobachtet dagegen Kunden, die immer wieder zur Plastiktüte greifen. Dass es manchmal schwer für ihn ist, diese Menschen „umzuerziehen“, gesteht er auch: „Ich biete meistens von mir aus eine Tüte an.“ Das gehöre für ihn nun mal zum Service dazu – allerdings hat er sich vorgenommen, sich mit dieser Frage künftig etwas zurückzuhalten. „Wer von sich aus danach verlangen muss, hat vielleicht doch eine gewisse Hemmschwelle, die ihn davon abhält“, vermutet Krekeler, der durchaus bemerkt, dass viele Kunden bereits mit einer Stofftasche zu ihm kommen.

In bester Erinnerung blieb dem Buchhändler eine ältere Dame. Konsequent brachte sie bei jedem Kauf die Tüte mit, in der sie einst das erste bei ihm erstandene Buch nach Hause getragen hatte. „Mindestens 20 Jahre lang ging das so.“ Am Ende habe er das Logo der Buchhandlung auf der Tüte gar nicht mehr erkennen können, so abgenutzt sei sie gewesen.

Gemeinde im Blick

Nicht nur den einzelnen Kunden zum Umdenken zu bewegen, sondern gleich eine ganze Gemeinde, das hat sich der Roßtaler Umweltreferent und Grünen-Marktgemeinderat Michael Brak auf die Fahnen geschrieben. Seit 2013 kämpft er aktiv gegen die Plastikflut – und hat damit sogar Beachtung in einigen überregionalen Medien gefunden.

So konnten Roßtaler bei ihm und seinen Unterstützern beispielsweise Plastiktüten gegen Stoffbeutel eintauschen; seit vergangenem Jahr ist auch der Kindermarktgemeinderat mit eingebunden. Nach einem Malwettbewerb zum Thema Plastik wurde das Gewinnerbild auf umweltfreundliche Papiertüten gedruckt, die ein Roßtaler Verpackungsmaterial-Hersteller fabrizierte. Geschäfte in der Gemeinde können diese nun in ihr Sortiment aufnehmen – was ein ansässiger Lebensmittelhandel nun ernsthaft in Erwägung zieht.

Auch Oberasbach engagiert sich gegen die Plastikflut. Der Arbeitskreis Klimaschutz hat kürzlich erst das „Tütle“ vorgestellt (wir berichteten), das als papierene Variante schon bald populär werden soll.

Noch einmal zurück zu Michael Brak. Dem Roßtaler Umweltreferenten ist es derart wichtig, auf Plastiktüten zu verzichten, dass er vor einiger Zeit ein Hemd, das er in Nürnberg kaufen wollte, wieder ins Regal räumte. Der Grund: Er hatte keine Tasche dabei. Das Kleidungsstück holte er dann am nächsten Tag. Mit einem Stoffbeutel.

Quelle: Fürther Nachrichten vom 25.02.2016 HFN/Seite 27

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