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Nein zu Windrädern bei Raitersaich

1500 Bürger hatten an die Roßtaler Gemeinderäte appelliert, das Projekt abzulehnen

ROSSTAL – Der Gemeinderat hat drei Windräder zwischen Raitersaich und Clarsbach abgelehnt. Sein Votum war gefragt, weil für den Bau eine Ausnahme von der 10-H-Regelung nötig gewesen wäre: Die Rotoren hätten die von der Staatsregierung vorgegebene Distanz zur Ortsbebauung in Form der zehnfachen Anlagenhöhe nicht eingehalten.

In der Fragestunde vor der Sitzung appellierten die Bürger noch einmal eindringlich an die Mitglieder des Gremiums, „an die Zukunft zu denken“. Dezentrale Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen sei zwar wichtig, aber die Lebensqualität der Bürger dürfe nicht leiden. „Zwar sollen die Gemeinden mithelfen, die Energiewende umzusetzen“, sagte Bürgermeister Johann Völkl – ergänzte aber, dass in Raitersaich und Clarsbach wegen der dichten Bebauung im Umfeld der beiden Dörfer eine Ausnahmesituation herrsche. Um ihr Anliegen zu untermauern, hatten die Bürger 1500 Unterschriften gegen den Bau der Windräder gesammelt, die sie nun an den Gemeindechef überreichten.

„Absolut nachvollziehbar“

In der Abstimmung stimmten die Fraktionen von CSU, SPD und Freien Wählern gegen das Projekt. „Die Bedenken der Bürger sind absolut nachvollziehbar“, meinte Birgit Höfling (SPD). „Besonders jetzt, da die Hochspannungsleitung, die nördlich von Clarsbach verläuft, aufgerüstet werden soll.“

Schon die Bürgerversammlungen der Vorwochen hatten eindeutig gezeigt, dass sich die Stimmung in der Bevölkerung gegen den Bau der Windräder bei Raitersaich richtet.

„Wir sind gegenüber Umweltschutz und erneuerbaren Energien grundsätzlich positiv eingestellt“, versicherte Uta Hohmann (CSU). „Aber wir haben eine Verantwortung für die Bürger.“ Deren ausdrücklichem Willen müsse die Politik Rechnung tragen. „Außerdem fehlen noch die Möglichkeiten, um den durch Windkraft produzierten Strom zu speichern“, gab Hohmann zu bedenken.

„Wir sind nicht grundsätzlich gegen den Bau von Windkraftanlagen und haben bestimmt nicht zum letzten Mal etwas davon gehört“, war sich Hartmut Igel (FW) sicher. Die aktive Bürgerbeteiligung, die mit dem Projekt einherging, war indes nach Meinung der Freien Wähler genau der richtige Weg, um mit diesem Thema umzugehen.

Emotional aufgeladen

Die Gegenposition nahmen die Grünen ein. „Das Thema ist hier sehr emotional aufgeladen und die Entscheidung darüber eine sehr persönliche“, sagte deren Vertreter Michael Brak. „Und ich persönlich habe nichts gegen Windkraftanlagen in der Nähe meines Grundstücks.“

Ein Windrad könnte neben seinem wirtschaftlichen Nutzen für die Stromerzeugung auch als Touristenmagnet fungieren. Braks Vision: „Wenn man die Gondel als Aussichtsplattform nutzt, kann man sehr weit ins Land schauen.“

Da Roßtal sich gegen Stromerzeugung aus Atom oder Kohle und gegen neue Trassen ausgesprochen habe, seien erneuerbare Energien die einzige Lösung, argumentieren die Grünen. „Wir müssen die dezentrale Energieproduktion und umweltfreundliche Stromquellen fördern“, forderte Brak.

Seine Partei stimmte deshalb als einzige für die Weiterführung des Projekts: Mit 18 gegen zwei Stimmen sprach sich der Marktgemeinderat schließlich gegen die Windkraftanlagen aus.

SIMON SCHÜBEL

Quelle: Fürther Nachrichten vom 21.03.2016 HFN/Seite 35

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