Ausgabe 5, Januar 2001
Vorwort des Zirndorfer Sprecherteams
Vorwort von Kreisvorstand Wolfram Schaa
Kein Brunnen für die Bewohner der WBG-Siedlung?
Ökosteuer ist o.k.
Heute schon geschmunzelt?
"Le Beaujolais est arrivée", die deutsche Debatte über die "Leitkultur"
Zum Ausstieg aus der Atomenergie
Einfach-Natürlich-Gesund, was Lachen bewirken kann
Verkehrsberuhigung der Innenstadt
?Ausländer, wer ist das?
Die Geschichte der Bibertbahn - eine Lügengeschichte ...
Impressum
Liebe Leserinnen und Leser,
Sicher haben Sie schon voller Spannung auf den neuen Zirndorfer Spiegel gewartet, oder ihn vermißt? Hier ist er.
Die Auswahl der Themen, nicht nur auf Zirndorf und den Landkreis beschränkt, ist in Anbetracht der Herausforderungen an die Zukunft
sicherlich ausgewogen, haben sie doch unseres Erachtens wesentliche Auswirkungen.
Umweltsünden wurden im vergangenen Jahrhundert oft ohne Wissen der weltweit schädlichen Folgen begonnen, deshalb kann man
sie auch nicht innerhalb weniger Jahre reparieren. Ein gewisser Weltblick für Projekte zum Schutze unserer Erde - die ja auch für die alle
nachfolgenden Generationen lebenswert sein soll - ist deshalb für jeden von uns gefordert ...
Wir hoffen, dass die von uns ausgewählten Themen Ihr Interesse wecken und Sie Information und Anregung erhalten werden.
Karin Hufschmidt und Thomas Lang
Liebe Zirndorferinnen und Zirndorfer,
Hohe Wogen schlägt derzeit die BSE-Krise, und plötzlich wird uns allen bewußt, dass wir hier in Deutschland nicht auf einer
BSE-freien Insel leben, und wir vielleicht doch mehr Wert auf ökologisches Denken und Handeln legen sollten. Oder glaubten wir,
dass Wegschauen hilft?
Wir Grünen sehen uns nun (leider) bestätigt, daß wir, und dies betrifft auch andere Bereiche, in unserem Denken von Nachhaltigkeit
und Ökologie auf dem richtigen Weg sind. Auch waren Einwände beim Thema BSE lange nicht gehört worden, beispielsweise der Antrag
der grünen Landtagsfraktion vom 20.05.99 (!) zur Einführung eines BSE-Schnelltests, der zunächst zurückgestellt und dann am 15.03.00
abgelehnt wurde!
Ich hoffe, daß alle Beteiligten aus dieser Krise lernen und erkennen, daß Profit nicht alles ist, dass nun endlich der Öko-Landbau und
damit auch regionales Wirtschaften forciert wird. Letztlich zahlt ja doch der Verbraucher, oder etwa nicht?
Mit hoffnungsvollen Grüßen,
Wolfram Schaa
In Zirndorf gab es, bis vor kurzem, einen kleinen Brunnen in der Lichtenstädter Straße - zugegebenermaßen eher bescheiden und
unauffällig. Auf Beschluss des Stadtrates wurde er abmontiert, nur wir GRÜNEN stimmten dagegen. Eine künstlerische Umgestaltung
war geplant, mit Granit, Flusssteinen und viel Zement. Letztendlich wird nun eine kleine Grünanlage entstehen, aber ohne Wasser.
Es sei zu arbeitsaufwändig und teuer, Reinigung und Reparaturen bei immer wiederkehrender Zerstörung durch Jugendliche
durchzuführen, die diesen Platz als ihren Treffpunkt auserkoren hatten, nicht immer zur Freude der Anwohner.Elsbeth Biagioli, Stadträtin
NB: Die Stadt Freiburg hat auf allen Spielplätzen Wasser !
Warum ist Benzin und Heizöl so teuer?
Da die erdölfördernden OPEC-Staaten und die Mineralölkonzerne ihre Preise in die Höhe treiben, haben sich diese seit Anfang 1999
verdreifacht. Die Ökosteuer hat daran nur einen geringen Anteil, nämlich 18 Pfennig (plus Mehrwehrtsteuer) bei Benzin und nur 4 Pfennige
beim Heizöl beim aktuellen Stand von derzeit etwa 1 Mark pro Liter.
Wie kann ich meine Kosten niedrig halten?
Den steigenden Preisen kann man z. B. nur mit Energiesparen begegnen. Beim Auto lassen sich durch niedrigtourige Fahrweise
bis zu 30 Prozent Sprit sparen. Nach Aussage der Automobilclubs ist es ein Ammenmärchen, dass das den modernen Motoren
schaden könnte. Es wird u.a. empfohlen im höchsten Gang noch ruckelfrei zu fahren, d.h. bereits bei 40 Km/h den 4. und bei 45 Km/h
den 5. Gang einzulegen und so gut wie nie die Motorbremse zu benützen.
Die zuständigen Organisationen geben wertvolle Tipps. Heizkosten lassen sich kurzfristig mit einer schon um 1-2 Grad niedrigeren
Raumtemperatur und vernünftigem Lüften sparen. Langfristig kann man mit dem von der rot-grünen Bundesregierung aufgelegten
Altbausanierungsprogramm oder mit Sonnenkollektoren auf dem Dach die Heizkosten verringern. Erdöl wird in den kommenden
Jahren knapper, deshalb ist eine solche Investition auf Dauer kostengünstiger.
Wie sieht der soziale Ausgleich aus?
Da wir die sozialen Sorgen der Bevölkerung ernst nehmen, wird z. B. eine Familie mit zwei Kindern durch die Steuerreform und
die Kindergelderhöhung um 2900 Mark pro Jahr entlastet. Zusätzlich profitieren Familien durch die Verbesserungen beim Erziehungsgeld.
Studenten profitieren von unserer Bafög-Reform. Die Wohngeldreform bringt spürbare Verbesserungen für 2 Millionen
einkommensschwache Haushalte. Dort, wo durch die aktuelle Explosion der Energiepreise besonders starke Belastungen entstehen,
wollen wir gezielt ausgleichen.
Ist diese Steuer öko und logisch?
Die Ökosteuer führt zu einem maßvollen und kalkulierbaren Anstieg der Energiepreise. Jeder kann sich darauf einstellen, sparsamer
mit Energie umzugehen und so die Umwelt schonen. Viele Menschen haben das bereits erkannt und ändern ihr Konsumverhalten.
Das hat die Automobilkonzerne veranlasst, neue Modelle mit niedrigem Spritverbrauch zu produzieren. Mit den Mitteln aus der
Ökosteuer werden keine Haushaltslöcher gestopft. Sie fließen direkt und komplett in die Rentenkassen. So machen wir Arbeit billiger
und leisten unseren Beitrag zum Kampf gegen die Arbeitslosigkeit.
Was sagt die CDU dazu?
Als Umweltministerin hat die derzeitige CDU-Vorsitzende Angela Merkel noch selbst für die Einführung der Ökosteuer plädiert.
Heute wollen Merkel und die Union nichts mehr davon wissen. Zu tief ist der Spenden-Sumpf und die Konzeptionslosigkeit, als dass
die CDU-Führung noch sachliche Argumente gelten lassen würde. Deshalb hat sie wider besseres Wissen ihre verantwortungslose
Kampagne gegen die Ökosteuer gestartet. Doch wer die Schöpfung für uns und die nächsten Generationen bewahren will, muss unser
Land ökologisch und sozial erneuern. Die Ökosteuer trägt dazu bei.
Karin Hufschmidt u. Wolfram Schaa
| Heute schon geschmunzelt?
Gerhard Schröder und Joschka Fischer sind auf Staatsbesuch in Washington. Einer der anwesenden Journalisten zeigt auf Schröder und fragt einen Kollegen: "Wer ist der Typ da neben Fischer?” Da antwortet der andere Journalist: "Fishermen's Friend!” |
Wie jedes Jahr im Herbst wird durch die Medien ein trockener fruchtiger Wein aus Frankreich groß angekündigt.
Dieses Mal stoßen die Fremdwörter aus der Werbung bei mir auf Unverständnis, wo sich doch die ganze Nation im Moment Gedanken über die "Deutsche Leitkultur" macht.
Zur politischen Forderung der CDU/CSU, dass nämlich Ausländer, die hier leben oder Einwanderer die deutsche "Leitkultur" anerkennen sollen, denke ich mir: Pardon, ich lebe seit gut 30 Jahren in Deutschland und habe mit dem Wort bis jetzt nichts anfangen können. Ohne eine "Kulturprüfung" abgelegt zu haben, bin ich über die deutsche Geschichte informiert. Mein Kleiderschrank besitzt ein Dirndl, und
am Sonntagmittag steht ein Braten mit Klößen auf meinem Tisch! Ist dies das Bild der Leitkultur?
Warum versuchen CDU und Konsorten mit diesem Unwort, das sowieso keiner verstanden hat, Wählerstimmen einzufangen? Deutschland schöpft meiner Meinung nach kulturell aus vielen Quellen, sei es im Sprachgebrauch, im Brauchtum anderer Länder oder in der Vielfalt verschiedener Religionen. Eine Bereicherung für jeden Einzelnen.
Dass Zuwanderer sich nicht benehmen wollen, nicht Recht und Gesetz respektieren, sind Scheinargumente junger politischer "NEWCOMER", die nur die Angst vor Überfremdung schüren.
Sandra Carenza-Hanisch
Es ist schon einige Zeit vergangen, seit die Bundesregierung und die Atomkraftwerksbetreiber einen Konsens zum geordneten Ausstieg
aus der Atomkraft erreicht haben. Dieses Thema ist jedoch von so elementarer Bedeutung, daß es auch hier in unserem
Zirndorfer Spiegel angesprochen werden soll.
Die ausgehandelten Bedingungen sind ein Kompromiss. Viele Grüne hatten sicher andere Vorstellungen vom Atomausstieg, besonders bezüglich der Laufzeiten. Aber man darf eines nicht vergessen: Die jetzt gefundene Form ist an sich die einzig mögliche, die unter den gegebenen Umständen als mitregierende Partei zu verwirklichen war. Hinter den ganzen Diskussionen um die Dauer der Restlaufzeiten, die wirklich keinen Grund zum Jubeln geben, muß man sich bemühen, das Wesentliche in den Vordergrund zu stellen. Es ist ein absehbares
Ende der Atomkraftnutzung in Sicht! Das haben wir anderen europäischen Ländern voraus. Ohne Bündnis 90/Die Grünen und die gesamte Anti-Atomkraftbewegung hätte es diese Vereinbarung in der Bundesrepublik niemals gegeben.In diesem Sinne: Strom sparen und auf Alternativen umsteigen!
Kerstin Führes
Heute: Was Lachen bewirken kann
Die Lachtherapie oder Gelos-Therapie wurde von Dr. Rubinstein konzipiert. Sie enthält ein vollständiges Übungsprogramm und er empfiehlt in seinem Buch Die Psychosomatik des Lachens täglich eine halbe Stunde zu lachen. Hier die Techniken vorzustellen würde diesen Rahmen sprengen. Jeder kann sich aber vornehmen, täglich mehrmals lauthals zu lachen und deshalb hier einige der wohltuenden Auswirkungen.
Das Lachen
HEUTE SCHON RICHTIG GELACHT???
Karin Hufschmidt
Im Rahmen der seit Jahren angestrebten Altstadtsanierung wird auch ein umfassendes Verkehrskonzept für Zirndorfs Innenstadt immer wieder diskutiert und gefordert.
Erst mit der Fertigstellung des "inneren Ringes" (Anbindung der Albert-Einstein-Str. an die Paul-Metz-Str.) sind allerdings die Voraussetzungen dafür geschaffen.
Ein solches Vorhaben bedarf aber erst einmal einer umfangreichen Verkehrserhebung, sowie einer Analyse der gesammelten Daten und der anschließenden Ausarbeitung von Lösungsvorschlägen. Am 24. März letzten Jahres erteilte der Stadtrat den Auftrag zur Verkehrsuntersuchung an das Büro Planwerk mit der Vorgabe, in drei Szenarien Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Untersucht werden soll einmal der Bereich Innenstadt sowie als Ergänzung hierzu der Außenkordon von Zirndorf.
Wichtig war dem Stadtrat von Anfang an die Einbindung aller interessierter Bürger in diesen Planungsprozess, um bei der späteren Umsetzung der Vorschläge eine möglichst breite Akzeptanz in der Bevölkerung zu erreichen.
Deshalb wurde im Rahmen des Stadtmarketingprozesses ein Arbeitskreis "Verkehr" gebildet, in dem alle Beteiligten, vor allem aber die Betroffenen zu Wort kommen sollen.
Nach knapp einem Jahr konnte das Büro Planwerk am 9. Februar letzten Jahres dem Stadtrat und auch dem Arbeitskreis die Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung vorstellen. Dabei wurde das Gremium teilweise mit recht drastischen Zahlen konfrontiert. So wird z.B. der Marktplatz als Kreuzungspunkt der vier innerstädtischen Hauptachsen täglich von mehr als 12000 Fahrzeugen überquert. Stark befahren sind aber auch die Fürther und Nürnberger Straße mit annähernd 6000 Fahrzeugen täglich, sowie die Spital- und Hauptstraße mit mehr als 4000 Fahrzeugen.
Diese Zahlen belegen, wie stark die Altstadt mit innerstädtischem Verkehr belastet ist und der Aussage in den Fürther Nachrichten vom 26. 03. 99 "Die Altstadt erstickt im Autoverkehr" ist nichts mehr hinzuzufügen.
Die Analyse zeigt auch, daß ein hoher Anteil an Durchgangsverkehr durch die Innenstadt besteht und der innere Ring die ihm zugedachte Funktion nicht einnimmt. An einem durchschnittlichen Tag fahren etwa 18000 Kfz in die Innenstadt ein und ebensoviele wieder aus. Davon sind 40 % Durchgangsverkehr (rund 7200 Kfz), und 60 % Ziel- und Quellverkehr (rund 10800 Kfz).
Die am meisten belastete Kreuzung Bahnhofstr.-Jahnstr.-Wallensteinstr. und Heimgartenstr. nimmt täglich rund 23700 Kraftfahrzeuge auf. Ihr folgt die Kreuzung Nürnberger Str. - Wallensteinstr. mit 21200 Kraftfahrzeugen. Die übrigen Kreuzungen im Stadtgebiet nehmen untergeordnetere Rollen ein. Was den Fahrradverkehr und die Fußgänger betrifft, ist festzustellen, daß die Situation äußerst unbefriedigend ist.
Besser stellt sich da schon die Situation im ÖPNV dar. Hier ergab die Analyse durchwegs gute Ergebnisse.
Die Parksituation wurde mit 1530 vorhandenen Parkplätzen als ausreichend eingestuft, wobei allerdings durch eine gezielte Parkraumbewirtschaftung noch Verbesserungen erreicht werden können. So sind allein 700 öffentliche Parkplätze unbewirtschaftet, das heißt unentgeltlich. Diese tragen zu einem auffälligen Park-Such-Verkehr bei.
Durch die von Planwerk vorgelegte Analyse wurde einmal mehr deutlich, daß die Situation für Zirndorf eigentlich unhaltbar ist und dringender Handlungsbedarf besteht.
Ich will noch kurz auf die drei Szenarien und die darin gemachten Lösungsvorschläge eingehen. Diese wurden in einer Bürgerversammlung der breiten Öffentlichkeit vorgestellt.
Szenario 1 - Geringe Eingriffe
Die Auswirkungen bei der Umsetzung von Szenario 1 wären relativ gering, so daß sich weder das Verhalten der Autofahrer noch das der Fußgänger ändern wird. Das innerstädtische Verkehrsaufkommen verringert sich nur um 10 - 20 % und der Marktplatz wird immer noch von 8000 Kfz überquert.
Die Bürger der Bahnhofstaße äußerten Bedenken, daß eine Verkehrsberuhigung der Innenstadt eine Mehrbelastung der Bahnhofstraße nach sich zieht. Deshalb regten sie als Ergänzung zu Szenario 1 den Neubau einer Straße am Steinweg entlang der Bahn über das Altfeld zur Verbindungsstraße West als Entlastung der Bahnhofstraße an.
Es ist unwahrscheinlich, daß Staat und Landkreis dem Straßenneubau zustimmen. Auch der finanzielle Aufwand (8 bis 9 Mio. DM) sowie der starke Eingriff in die Natur (z.T. Wasserschutzgebiet) verbietet den Straßenneubau. Zudem würden dadurch die Bemühungen um eine Verkehrsberuhigung der Innenstadt untergraben.
Sinnvoller erscheint da schon der Vorschlag der Interessengemeinschaft, die Bahnhofstraße durchwegs mit Tempo 30 zu belegen und die Kreuzung Bahnhofstraße, Jahnstraße, Wallensteinstraße und Heimgartenstraße durch einen Kreisverkehr zu entschärfen. Durch die beiden Maßnahmen entstünde ein kontinuierlicher Verkehrsfluß, der auch die Rückstaus zu den Hauptverkehrszeiten drastisch reduzieren würde.
Szenario 2 - Umfassende Verkehrsberuhigung (zusätzliche Maßnahme zu Szenario 1)
Bei diesem Szenario sind die Auswirkungen spürbar. Die innerstädtischen Straßen sind stark vom Kfz-Verkehr entlastet. Die Erreichbarkeit der Einrichtungen für Kfz ist aber weiterhin gegeben. Kurze Wege werden zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt. Der öffentliche Nahverkehr wird durch die Einführung des Stadtbusses deutlich attraktiviert. Die Attraktivität der Innenstadt hat stark zugenommen. Flanieren ist wieder möglich. Der Marktplatz wird aber noch immer von knapp 5000 Fahrzeugen überquert. Die Nürnberger Straße bekommt zwischen Marktplatz und Marktkaufzufahrt den Charakter einer innerstädtischen Einkaufsstraße mit hoher Aufenthaltsqualität.
Szenario 3 - Schleifen
Hier sind die Auswirkungen offensichtlich. Der Marktplatz ist völlig autofrei. Es gibt keinen Durchgangsverkehr mehr. Die Wege in die Innenstadt beschränken sich auf notwendige Erledigungen. Der Verkehr auf den Ringstraßen nimmt dagegen zu.
Soweit die Darstellung des geplanten Verkehrskonzepts. Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, sind aufgefordert sich aktiv an der Meinungsbildung zu beteiligen.
Friedrich Bergmann,
Fraktionsvorsitzender
Ich habe einen italienischen Freund, der seit seiner Geburt in Deutschland lebt, mit mir in die Schule ging und mittlerweile hier mit einer deutschen Frau verheiratet ist und zwei Kinder hat.
Keiner kann etwas dafür, daß er hier oder dort geboren wird. Ist es etwas Besonderes als Deutscher, Italiener, Türke auf die Welt zu kommen? Kein Volk und keine Religionsgemeinschaft ist besser als eine andere!
Glaubt man der Evolutionstheorie, so haben wir ohnehin alle die gleichen Vorfahren. Wir Menschen haben Probleme mit etwas umzugehen, das anders ist als wir es gewohnt sind.
Je andersartiger nun ein Mensch ist, also je weniger er unserem durch Vererbung und Erziehung erlernten Menschenbild entspricht, desto mehr Skepsis bringen wir ihm entgegen. Wir können diese Skepsis nur überwinden, wenn wir uns trauen andere Menschen kennenzulernen und verstehen zu lernen.
Es ist sicherlich nicht leicht, aber wir sollten es versuchen.
Wir sollten nicht im Urlaub in stacheldrahtbewehrte und schwerbewachte Touristengettos nach Afrika fliegen, unsdort 2 Wochen in die Sonne legen und dann behaupten, wir hätten Senegal, Namibia oder Kenia gesehen.
So lernt man das Land nicht kennen und noch weniger die dort lebenden Menschen.
Die schlimmsten Ausländerfeinde sind oft Menschen, die ihre Heimat nie verlassen haben und in ihrem Leben nichts anderes kennengelernt haben als ihr unmittelbares Umfeld.
Thomas Lang
Die Bibertbärbel, von der Bevölkerung liebevoll genannt, wurde 1914 feierlich eröffnet. Damals und bis weit nach dem 2. Weltkrieg fuhren noch Dampflokomotiven von Nürnberg Hauptbahnhof über den Bahnhof Stein, Zirndorf-Altenberg, Ammerndorf, Großhabersdorf bis nach Unternbibert-Rügland.
1964 wurde noch von der damaligen Deutschen Bundesbahn, Bundesbahn Direktion Nürnberg, das 50-jährige Jubiläum an allen Stationen gefeiert. In einer Festschrift und in Zeitungsanzeigen hieß es "Bei Wind und Wetter – die Bibertbahn bringt sie immer ans Ziel” ...
Doch für den Abschnitt zwischen Großhabersdorf und Unternbibert galt dies ab 1971 nicht mehr. Als eine der ersten Strecken im Großraum wurde er stillgelegt. Mitte der siebziger Jahre redeten dann einige sogar von einem Ausbau des restlichen Abschnittes als S-Bahn – nach dem Vorbild München sollte auch der Nürnberger Raum eine Schnellbahn auf allen Strecken erhalten. Doch Anfang 1980 kam alles ganz anders – die Stilllegung bzw. "Verkraftung” wie die Bahn die Umstellung auf Bus formulierte – war angesagt. Es gründete sich eine Initiative "Zur Rettung der Bibertbahn”. Viele engagierte Menschen trafen sich und wollten schließlich sogar mit kommunaler Hilfe die Strecke kaufen. 1984 fuhren zum Jubiläum noch einmal über 1000 Gäste mit den von der Initiative organisierten Sonderzügen. Doch die Bahn forderte über 1 Mio. DM für die maroden Gleise und wollte den schon bestellten Abbauzug nur stoppen, wenn die Initiative zusätzlich noch 50.000 DM für den Ausfall des Abbauzuges zahlt.
So wurde 1986 auch der Abschnitt Leichendorf – Großhabersdorf stillgelegt und zerstört. In den Folgejahren entstand hier teilweise ein Radweg und eine Erdgasleitung sowie 1999 die Ortsumgehung Wintersdorf.
Die Gleise zwischen Stein und Leichendorf waren aus strategischen Gründen (US-Depot) erst einmal gesichert.
Nach der Wende zogen sich aber auch die Amerikaner langsam zurück und es fuhren immer weniger Güterzüge. 1994 wurde auch der Abschnitt Fürth Süd-Leichendorf stillgelegt aber nicht abgebaut. Dies eröffnete die Chance für die Überlegungen der Landrätin, die Strecke in ein Stadt-Umland-Bahn-System nach dem Vorbild Karlsruhe zu integrieren. Diese innovativen Ideen waren sicher auch ausschlaggebend dafür, dass sie 1990 das Landratsamt eroberte.
Doch das Stadtbahn-Konzept hatte von anfang an zwei Haken:
Doch die "Rest-Bibert-Bärbel” kann noch gerettet und zu Leben erweckt werden – es ist noch nicht zu spät für eine "Bürgerbahn”!
Die Bürgerbahn – analog dem Bürgerwindrad ...
Durch das Engagement von an die Zukunft denkender Menschen soll in Vogtsreichenbach eine Windkraftanlage – das Bürgerwindrad – ökologisch Strom erzeugen.
So könnte die Bahn wieder aktiviert werden:
* möglichst unter Beteiligung der Städte Zirndorf und Oberasbach
** Geschätzte Kosten ca. 10 Mio. DM - bei einem Zuschuss von 80 % sind ca. 2 Mio. DM Eigenkapital durch die GmbH notwendig – eine Kalkulation wird z. Z. erstellt
Dass eine Wiederinbetriebnahme von Bahnstrecken möglich ist, beweisen Beispiele in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, z. T. sogar im ländlichen Raum.
Fazit:
Durch die beschriebenen 10 Schritte kann eine attraktive Bibertbahn als Bürgerbahn betrieben werden. Wenn alle Beteiligten ein ernsthaftes Interesse haben, kann schon in einem Jahr ein Triebwagen fahren und spätestens zum 90-jährigen Jubiläum kann die Modernisierung abgeschlossen sein.
Werner Schmidt,
Bezirkssprecher Mittelfranken
Impressum:
| Herausgeber: | Bündnis 90/Die Grünen, Ortsverband Zirndorf |
|---|---|
| V.i.S.d.P.: | Thomas Lang, Herman-Löns-Str. 44a, 90513 Zirndorf, Tel.: 603918 |
| Redaktion: | Thomas Lang, Karin Hufschmidt, Kerstin Führes, Wolfram Schaa |
| Layout/Gestaltung: | Wolfram Schaa |
| Auflage: | 10500 Stück |
| Hergestellt: | Druckerei Brockmann und Klett, Cadolzburg |
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11. Januar 2001