Auf ein Wort

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,

Unsere Gesellschaft durchlebt zur Zeit eine ihrer gravierendsten Veränderungen. Die soziale Marktwirtschaft wird durch Großkonzerne mehr und mehr ausgehebelt. Die Devise für die kleinsten Glieder in der Kette, nämlich die Arbeitnehmer und Kleinbetriebe lautet: "Friß oder stirb". Wir alle sind schuld an dieser Entwicklung, indem wir nur auf unseren eigenen kurzfristigen Vorteil bedacht handeln.
Versuchen Sie diesen Teufelskreis auch im eigenen Interesse zu durchbrechen und stellen Sie sich auch einmal gegen den Strom. Sie werden sehen, es kann Spaß machen und einiges in Bewegung bringen!

Thomas Lang, Sprecher


Mein Freund der Baum ist tot.

Bäume haben normalerweise ein sehr langes Leben - nicht so in Zirndorf.
Hier hat es sich der Bürgermeister zur Aufgabe gemacht, das Durchschnittsalter der Zirndorfer Bäume drastisch zu senken, indem er diese lästigen Gesellen, wo immer möglich, absäbeln lässt.
Es ist einzusehen, daß Bäume gefällt werden müssen, wenn sie Baumaßnahmen im Wege sind und es keine Alternative gibt. Aber muß man immer den Weg des geringsten Widerstands gehen und Bäume fällen, welche teilweise schon unsere Großväter gepflanzt haben? Wie lange wird es wieder dauern, bis die nachgepflanzten Winzlinge halbwegs die Aufgabe ihrer Vorgänger übernehmen können? Große Bäume sorgen für die Produktion unseres lebensnotwendigen Sauerstoffs, sie spenden Schatten und sind Zufluchtsort für allerlei Vögel.
Ich kann nur hoffen, daß in Zukunft das Fällen jedes einzelnen Baumes sorgfältig bedacht wird, und nur wenn dies unumgänglich ist, durchgeführt wird.

Bäume wachsen nicht von heute auf morgen!

Thomas Lang, Sprecher OV Zirndorf


Neues aus dem Rathaus: Stadtmarketing in Zirndorf

Stadtmarketing und Citymanagement, Begriffe die in letzter Zeit häufig in der Presse zu lesen waren. Was verbirgt sich dahinter? Stadtmarketing ist ein langfristiges Führungs- und Handlungskonzept, das auf einer Leitidee aufbaut. Dieser Prozess soll dazu beitragen, sich den geänderten Anforderungen einer urbanen und bürgernahen Stadtentwicklung besser anpassen zu können, verkrustete Strukturen in Handel, Gewerbe, Gesellschaft und Verwaltung zu lösen und damit letztendlich zu einer Attraktivitätssteigerung unserer Stadt beitragen. Dabei gilt es die Kommunikation zwischen privaten und öffentlichen Akteuren zu fördern, um eine gedeihliche Entwicklung zu gewährleisten. Am Anfang des Prozesses steht erst einmal eine detaillierte Analyse der strukturellen Voraussetzungen für Stadt- und Einzelhandelsentwicklung. Hierbei bedienen sich immer mehr Kommunen der Beratung externer Fachleute. Stadtmarketing nun also auch in Zirndorf. Nachdem der Stadtrat sich Anfang des Jahres erstmals mit der neuen Thematik befaßte, wurden sehr schnell weitere Schritte veranlaßt. Bereits Anfang Mai stellten sich verschiedene Firmen vor, die die Stadt bei ihrem Vorhaben unterstützen wollen. In der Sitzung des Stadtrates am 19. Mai 99 wurde dann der Auftrag an die Firma Cima aus München vergeben. Von dieser Firma versprach man sich die meiste Professionalität. Am 14. Juli konstituierte sich der Lenkungsausschuss, um das weitere Vorgehen festzulegen. Ihm obliegt die Steuerung und Kontrolle des Projekts. In ihm sind unterschiedliche Interessensgruppen und Entscheidungsträger vertreten. Durch einige Ergänzungswünsche der Grünen konnte die Zusammensetzung des Gremiums noch etwas abgerundet werden. Der gesamte Prozess wird ungefähr ein Jahr in Anspruch nehmen und zu guter Letzt in einem Handlungsleitfaden die nötigen Schritte definieren. Die Umsetzung der Zielvorgaben wird dann Aufgabe eines Citymanagers sein, der die nötigen Schritte zwischen den Beteiligten koordiniert. Diese Aufgabe ist zeitlich nicht begrenzt. Sie wird ein fortwährender, hoffentlich lebendiger Prozess sein, der sich immer wieder neu an den sich ändernden Bedürfnissen orientiert.
Meine Bitte an die Zirndorfer Bürgerinnen und Bürger: Bitte beteiligen Sie sich intensiv an den Gesprächen und Beratungen. Sie haben dadurch die Möglichkeit, Einfluß auf die Entwicklung ihrer Stadt zu nehmen.

Zeitplan des Projektes
Mitte Juli bis Ende August 99 "Standort- und Imageanalyse"
12. Oktober 99 "Vorpräsentation Analyse"
Ende Oktober 99 "Vorbereitung Leitbild-Ablauf"
16. Oktober 99 "Pressekonferenz Analysedaten"
10. November 99 "Zukunftswerkstatt"
Mitte bis Ende November 99 "Nachbereitung Zukunftswerkstatt"
Mittwoch, 1. Dezember 99 "Leitbild Workshops"
Dezember 99 "Leitbildentwurf"
ab Januar 2000 "Diskussion, Modifikation Leitbildentwurf"
ab Januar 2000 "Leitbildseminar"
ab Januar 2000 "Leitbildverabschiedung"
noch offen "Leitbildveröffentlichung, Verabschiedung Stadtrat"

Friedrich Bergmann, Fraktionsvorsitzennder


Kinder und Jugendliche - zu arm? (Bewegungsarmut und ihre Auswirkungen)

Kinderwagen, Bobbycar, Dreirad, Fahrrad, Motorroller, Motorrad, eigener PKW mit 18 Jahren.
So sehen in der heutigen Zeit die Fortbewegungsstationen auf Rädern vom Kleinkind bis zum Erwachsenenalter aus. Bobbycar, Dreirad und Fahrrad möchte ich ausgrenzen, denn diese Fortbewegungshilfen werden mit eigener Körperkraft bewegt und sind für die kindliche Bewegungserfahrung wichtig, genauso wie Kinderroller, Inliner oder Skateboards. Ich arbeite seit vielen Jahren mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen und stelle einen kontinuierlichen Verlust des natürlichen Bewegungsverhaltens dieser Altersgruppen fest. Bereits Teenager haben Kreislauf-, Wirbel- und Fußbeschwerden. In diesem Alter kann das wohl nicht auf eine überbelastung zurükzuführen sein, sondern eher auf einen Mangel an Bewegungsreizen und -erfahrungen. Wenn die Beförderung auf Rädern nur dazu da ist, möglichst schnell und bequem von einer Sitzgelegenheit in die nächste zu gelangen, hat das nichts mit vielfältiger Bewegungsentwicklung zu tun. Ein Mensch muss seine Grenzen ausloten und das kann nur durch ureigenste psychische und physische Erfahrung geschehen. Ein Kleinkind ist durch seine weichen Knochen und die Fettschicht vor Verletzungen bei den vielfältigen Bewegungsexperimenten im Kindesalter natürlich geschützt. Warum wird ihnen diese, zugegebenermaßen oft schmerzliche Erfahrung durch mechanische Hilfsmittel verwehrt? So manche schwere Verletzung im Erwachsenenalter würde bestimmt vermieden werden, wenn eine Bewegungserziehung im natürlichen Sinn von Anfang an gestattet worden wäre. Nur durch frühkindliche Erfahrung lernt der Mensch seine körperlichen Fähigkeiten einzuschätzen und sie nach individuellem Vermögen auch einzusetzen. Wenn in jungen Jahren eine ausreichende Körpererfahrung erlebt werden durfte, wird im Erwachsenenalter keine Überforderung stattfinden, da die Grenzen der ureigensten physischen Leistungsfähigkeit erlebt werden konnten.
Mein Appell an die Eltern: Lassen Sie Ihre Kinder Bewegung mit allen Sinnen erfahren, denn nur die natrülichen Grenzen sind die richtigen und jede mechanische Hilfe ist dabei hinderlich; sie verfälscht das Bewusstsein des individuellen Bewegungspotentials.

Karin Hufschmidt, Sprecherin


Einfach - Natürlich - Gesund

Heute: Rückenschmerzen

Wenn Sie unter Rückenschmerzen leiden, kann neben anderen Maßnahmen auch eine Korrektur der Schlafhaltung helfen oder auch vorbeugen. Schlafen Sie nicht in Bauchlage, da so der Druck auf die Wirbelsäule am größten ist. Am besten ist die Seitenlage (Fötalstellung). Legen Sie dabei die Hand des unten liegenden Arms unter den Kopf und beugen Sie leicht die Knie. Auch ein Kissen zwischen den Knieen entlastet Ihr Becken. Rückenschläfer sollten sich ein kleines Kissen unter die Lendenwirbelsäule legen, dadurch ist die Wirbelsäule gestützt.
Noch eine Empfehlung zum Schluss: Vermeiden Sie vor allem sich "zuviel aufzuladen", denn dieser Zustand führt am häufigsten zu Rückenschmerzen.

Karin Hufschmidt


Von der vergebenen Chance

Es war einmal ein Königreich. Hier regierte ein König schon mehrere Jahre, als man eines Tages die Kunde von der kostendeckenden Vergütung bekam, einer geheimnisumwitterten Neuerung, die schon viele andere Königreiche zum Nutzen ihrer selbst und der Untertanen eingeführt hatten. Hiernach beteiligt sich jeder im Königreich pro Jahr mit einem Obolus von eineinhalb Mark und ermöglicht es damit vorausschauenden Bürgern, die bereit sind, ihre Dächer mit diesen Zauberplatten auszustatten, Energie von der Sonne einzufangen und zum Nutzen aller weiterzugeben. Auch die Zünfte der sagenumwobenen Photovoltaik würden profitieren; hätten sie doch mit diesen Aufträgen, deren Größe etwa 400 – 700000 Mark beträgt, in kurzer Zeit wieder vollere Auftragsbücher und könnten eventuell sogar hie und da eine neue Kraft in Arbeit und Brot bringen. Plötzlich aber hielt der König in seinen Überlegungen inne. Ist das überhaupt meine Aufgabe, mich für Arbeitsplätze stark zu machen? Das kann ja wohl der Kaiser tun! Und was wird der Fürst der Stadtwerke machen, der sich doch ohnehin schon auf den Krieg des freien Strommarktes vorbereiten muß? Im Grübeln begriffen fand er noch mehr vermeintlich Ungünstiges. Atomische Energie aus fernen Landen ist ja viel viel billiger und was ist, wenn man es sich mit den Rittern vom Orden des freien Marktes verscherzt? Außerdem könnten doch manche Untertanen glauben, sie würden diesen Sonderlingen mit ihren Dächern und nicht der Allgemeinheit zu Diensten sein.
Also tat er dem Ältestenrat kund, daß diese kostendeckende Vergütung zwar ein gut Ding sei, aber je länger man darüber grüble, es für das Königreich wohl doch nicht in Frage käme. So entsagten alle Räte - außer denen der Grünen - dem Vorschlag ein Modell für diese Form der Förderung der neuen Energien vom Fürstentum der Stadtwerke entwickeln zu lassen, das dem Königreich zum Nutzen gereichen könnte. Ebenfalls abgeschlagen wurde der Wunsch der Grünen Räte, doch die Erfahrungen aus anderen Reichen einzuholen, habe es doch keine Eile und Not in dieser Sache. Das Königreich Amberg hatte nämlich anno 1998 im Dezember, also schon zu Zeiten des freien Strommarktes die „KV“ zum Gesetz erklärt. So konnte es denn geschehen, daß das Königreich den Göttern der Zukunft und des Weitblicks entsagt und damit nicht wenige gläubige Untertanen enttäuscht hat. Und wenn sie nicht gestorben sind entscheiden diese Räte auch heute noch.

Sicher haben die meisten von Ihnen erkannt, daß es sich hier nicht um ein Märchen, sondern um eine wahre Geschichte handelt (Juli, anno 1999).

Resümee:
Damit zeigte sich leider wie so oft, daß viele Räte des örtlichen Königreiches in veralteten Klischees verharrend Entscheidungen fällen, die an Weitsichtigkeit zweifeln lassen. Auch drängt sich - speziell hier - wo man Arbeitsplätze und deutsche Wettbewerbsfähigkeit positiv beeinflussen könnte die Frage auf, ob man sich überhaupt groß Gedanken macht. Zwischen der ersten Vorstellung im Werkausschuß und der Abstimmung im Stadtrat lagen gerade mal zwei Tage. Oder war man der Meinung, es besser zu wissen als etwa 65 andere bayerische Städte und Gemeinden? Der Bürger, für den man hier angeblich entschieden hat, wurde bei dieser wichtigen Sache jedenfalls außen vor gelassen. Vielleicht wollte man aber auch gleich vollendete Tatsachen schaffen, um sich nicht mit dieser Spezies von aufgeschlossenen und zukunftsbewußten Bürgern abgeben zu müssen? In anderen Städten Bayerns jedenfalls gibt es Kommunalpolitiker aus den Reihen von SPD und CSU, die die Energieprobleme der Zukunft erkannt haben und sich an deren langfristiger Lösung (Übergang aus Fossil- und Atomtechnik in alternative Energien unter Ausnutzung aller möglichen Energiesparpotentiale) zusammen mit ihren Bürgern beteiligen.

Wolfram Schaa, Sprecher Kreisverband Fürth-Land


Modernisierung der Rangaubahn

Nach wie vor keine Lösung in Sicht. Die geplante Modernisierung der Rangaubahn läßt weiter auf sich warten. Wie bekannt wurden ja Anfang 1998 die Planungen gestoppt, nachdem aufgrund der geplanten massiven Eingriffe in die Natur längs der Bahnstrecke - auch die Kneippallee war betroffen - und auch in privaten Grundbesitz mehr als 300 Einwendungen seitens der Bürger eingegangen waren. Der von der Regierung von Mittelfranken festgelegte Erörterungstermin am 13. Mai 98 zur Behandlung dieser Einwendungen wurde abgesagt. Seit dieser Zeit herrschte Funkstille und keiner wußte so recht wie es weitergeht. Im September 98 faßten wir mit einem offenen Brief das Thema wieder auf und forderten darin die Staatsregierung auf, ihre vertraglich vereinbarte Zusage (Rahmenvertrag zwischen dem Land Bayern und der DB AG vom 1. Sept. 95) einzuhalten. Gleichzeitig forderten wir die DB auf, ihre überdimensionierten Planungen zum Bau einer Oberleitung für die Elektrifizierung zu modifizieren. Der Brief blieb ohne Resonanz. Im Januar diesen Jahres war dann in den Fürther Nachrichten zu lesen, daß der "Integral", ein spurtstarkes Dieselfahrzeug, die Lösung bringen soll. So sollte es lt. Bericht auch ohne Elektrifizierung möglich sein, die Taktverdichtung zu erreichen. Aufgrund der Initiative von Bürgermeister Kohl gaben in der Stadtratssitzung am 21. Juli 99 Herr Beiche von der DB AG und Herr Dr. Weiskopf vom VGN einen Sachstandsbericht zur derzeitigen Lage. Laut Aussage von Dr. Weißkopf wurden seinerzeit die Planungen in erster Linie nicht wegen der massiven Einwendungen gestoppt, sondern auf Veranlassung der Bayer. Staatsregierung, die die Bahn aufforderte nach neuen Fahrzeugtypen zu suchen, die eine Elektrifizierung unnötig machten (Kostenersparnis). Für die Rangaubahn waren damals 23,5 Millionen DM eingeplant. Herr Beiche führte aus, daß seitens der Bahn das modernste Fahrzeug vom Typ ET 420/423 als S-Bahn angedacht war. Aufgrund der Einwendungen habe man dann den Dieseltriebwagen VT 644 als Alternative vorgesehen. Dann kam es im Mai 98 auf Betreiben des Freistaates zur Unterbrechung des Verfahrens. Nach einer europaweiten Ausschreibung läuft nun seit Feb./März dieses Jahres eine Untersuchung durch ein unabhängiges Büro zur Lösung des Problems. Ergebnisse erwartet man nicht vor dem Herbst dieses Jahres. im Bild: der Regio-Shuttle von ADtranz, vielleicht kommt er in Frage? Herr Dr. Weißkopf führte dann noch einmal die Gründe für eine Modernisierung der Rangaubahn an: Verbesserung des Angebotes um 30% auf ca. 8000 Fahrgäste im Spitzenverkehr. Die betriebliche Kosten-Nutzung-Rechnung (Indikator A) sieht Mehraufwendungen von 3 Millionen DM im Jahr, dagegen stehen 1,5 Millionen DM Mehrerträge. Die gesamtwirtschaftliche Betrachtung (Indikator B) sieht einen Kosten-Nutzen-Faktor von 2,14. Dies sei ein gutes Ergebnis. Herr Beiche wies dann noch darauf hin, daß eine Streckenverlegung im Bereich der Kneippallee aus Kostengründen nicht realisierbar sei. Ebenso komme eine Einhausung zum Schutze der Bäume nicht in Frage, weil sich die Kosten auf 100-150000 DM pro Baum beliefen. Herr Dipl.-Ing. Helmreich, der in anderer Sache an der Stadtratssitzung teilnahm, wurde von Bürgermeister Kohl kurzerhand zum Sachverständigen erklärt. Das Büro Helmreich führte damals die Planungen zum Bau der Paul-Metz-Straße durch. Herr Helmreich machte noch einmal deutlich, daß es seitens der Bahn zu schweren Planungsfehlern und Versäumnissen im Vorfeld der Planungen gekommen und die jetzige Situation alleine der DB AG anzulasten sei. Herr Beiche erklärte auf meine Frage, ob denn die Bahn zu einem Umdenken bereit sei, "im Falle einer Elektrifizierung mit Oberleitung halte die Bahn an ihren bisherigen Planungen fest."
Fazit: Es hat sich nichts geändert. Bleibt nur zu hoffen, daß das unabhängige Gutachterbüro doch noch eine Lösung anbietet, die allen Seiten gerecht wird. Die Kneippallee muß bleiben!

Friedrich Bergmann, Fraktionsvorsitzender


Solarbörse ist OUT - Kostendeckende Vergütung ist IN

Seit der Ankündigung in unserer letzten Ausgabe, zum Thema Solarbörse des FÜW (Fränkisches Überlandwerk) Stellung zu nehmen, haben sich unsere Befürchtungen zu deren Marktchancen bestätigt. Ziel des FÜW war es - zumindest nach außen - sich beim Thema alternative Energien mit dieser Börse, wo Stromanbieter und Stromver- braucher den Kurs von alternativem Strom bestimmen, in den aktuellen Trend einzubringen. So konnten Verbraucher Gebote zu Strompreis und Menge machen, die mit der anderen Seite der Anlagenbetreiber, die ihrerseits ihre Wunschvorstellungen verwirklichen wollten, in Einklang gebracht werden mußten. Doch auch die exorbitant hohen Kosten des im Herbst 98 gestarteten Werbefeldzuges (Insider sprechen von etwa ein bis drei Millionen DM !!!) verhalfen dem Projekt Solarbörse nicht zum gewünschten Erfolg. Denn von über 270000 FÜW-Kunden entschlossen sich lediglich 240 zum Bezug von Solarstrom mit dem Gesamtvolumen von ca. 20000 KWh. Dies hatte zur Folge, daß von knapp 40 damals in den Startlöchern sitzenden Anlagenbetreibern lediglich acht (!) zum Zuge kamen, und nun zum Preis von 1,40 DM ihren Strom ins Netz des FÜW einspeisen können. Doch welcher Verbraucher, so idealistisch er auch sein mag, stellt schon einen extra Antrag, um mehr bezahlen zu dürfen? Mag sein, daß auch das geschwundene Vertrauen der Bürger in das FÜW seit dem Anlagedebakel, wo etwa 180 Millionen in den Sand gesetzt wurden, mit daran schuld ist. So kam es wie von vielen Seiten befürchtet: Die Börse wurde zum Flop! Doch was tun, um der nach wie vor nicht auf die Füße kommenden Solarindustrie zum Erfolg zu verhelfen, der Industrie, die Wirtschaftimpulse geben und nach neuesten Untersuchungen bis zu 250000 Arbeitsplätze schaffen kann! Der einzig vernünftige Weg ist, daß endlich Bürger, Politiker und auch die Wirtschaft die Notwendigkeit der Energiewende als (langwierige) gesamtgesellschaftliche Aufgabe begreifen und miteinander Wege dorthin beschritten werden. ähnlich wie bei der Lohnsteuer, wo die Masse den Löwenanteil erbringt, würde es hier bedeuten: Wenig für jeden ist viel für alle! Dies ist z.B. der Grundsatz der "kostendeckenden Einspeisevergütung", auf die ich im letzten Heft eingegangen bin. Leider haben die Zirndorfer Fraktionen von SPD und CSU dies, obwohl vom Bürgermeister auf die Tagesordnung gesetzt, gnadenlos abgelehnt (siehe auch das wahre Märchen "Von der vergebenen Chance" in dieser Ausgabe). Hier wurden Chancen verspielt, während man ohne schlechtes Gewissen auf den vermeintlich billigen Atomstrom schielt, den die Energieversorger demnächst auch noch zu Dumpingpreisen aus Rußland importieren werden.
Gott sei Dank hat wenigstens die Bundesregierung mit dem 100000- Dächer-Programm und weiteren Förderungen den ersten Meilenstein zur Energiewende gesetzt!
Am Rande vermerkt: Erst nach Inkrafttreten der nächsten Stufe der Ökosteuerreform wird der seit 1996 nicht mehr erhobene "Kohlepfennig" in Höhe von etwa 2,5 Pfennigen pro Kilowattstunde egalisiert sein!

Wolfram Schaa, Sprecher Kreisverband Fürth-Land


Was ist Ihnen Ihr Wasser wert?

Na Gott sei Dank, sowohl die SPD als auch die CSU haben mir mit ihren jeweiligen Beiträgen zur Wasserpreiserhöhung in den Partei - Magazinen einen großen Gefallen getan. Es freut mich sehr, dass damit das Thema nicht vom Tisch ist, dafür ist es mir zu wichtig.Zudem gibt es mir die Gelegenheit, in der Öffentlichkeit darauf einzugehen, um damit den Bürgern wichtige Details mitzuteilen. Fakt ist - laut Stadtratsvorlage vom 03.02.1999 - dass Zirndorf bei der Wasserpreisgestaltung bisher sehr moderat gewesen ist (siehe nebenstehende Grafik), d.h. von 20 Anbietern im näheren Umkreis liegt Zirndorf an viertletzter Stelle. Für das Jahr 1999 sind 160.000 DM und für das Jahr 2000 sind 80.000 DM Betriebsverlust zu erwarten, trotz der Wasserpreiserhöhung um 0,10 DM je Kubikmeter zum 01.07.99. Weitere Verluste von 120.000 DM entstehen durch Zinszahlungen aus der Aufnahme eines Darlehens in Höhe von 2,3 Mio., welches zum Bau des Weitersdorfer Hochbehälters benötigt wurde, sowie durch Abschreibungen in Höhe von 170.000 DM. Außerdem müssen jährlich in der Wasserfassung Weiherhof Brunnen saniert oder neu gefasst werden. Aufgrund nachfolgend dargelegter Gründe schien es mir gerechtfertigt und für den Bürger bei entsprechender Information auch nachvollziehbar, den Wasserpreis nicht um 0,10 DM je Kubikmeter zu erhöhen, sondern um wenigstens 0,30 DM. Wasser ist einer unserer kostbarsten und unverzichtbarsten Rohstoffe und wir alle müssen lernen, sparsam und verantwortungsvoll damit umzugehen. Wasser ist nicht beliebig vermehrbar. Die Selbstverständlichkeit, mit der wir täglich über ausreichende Mengen an sauberem Wasser verfügen, sollte uns stets bewusst machen, dass dies in vielen Bereichen von Südeuropa oder in Ländern der dritten Welt nicht selbstverständlich ist. Unser Bemühen sollte es sein, einen maßvollen Umgang damit einzuüben, um unseren Kindern und zukünftigen Generationen eine gute Lebensgrundlage zu erhalten. Wenn ich erlebe, dass in meinem persönlichen und beruflichen Umfeld Erwachsene und Kinder gedankenlos und verschwenderisch mit Wasser umgehen, dann erschreckt mich das sehr und ich versuche dies zu ändern.
Wenn eine Gemeinde große Investitionen tätigt, um wie in diesem Fall, die Wasserdruckverhältnisse zu verbessern, muß sie darauf bedacht sein, diesen Ausgaben entsprechende Einnahmen entgegenzusetzten. Schließlich trägt sie dem Bürger gegenüber die Verantwortung, wirtschaftlich mit seinem Geld umzugehen. Sicher ist eine Deckung in vielen Fällen nicht möglich und auch gar nicht erwünscht, wie zum Beispiel beim Betrieb eines öffentlichen Schwimmbades oder sonstigen Einrichtungen wie Schulen, Spielplätzen usw. Hier haben andere Maßstäbe Priorität. Aber ich bin sicher, daß es jedem mündigen, gut informierten Bürger möglich ist, nachzuvollziehen, warum hier ein etwas höherer Wasserpreis gerechtfertigt wäre. Nochmals: Mir kam es vorrangig darauf an, mit einem etwas höheren Wasserpreis eine gedankliche Auseinandersetzung mit diesem Thema anzustoßen. Denn wer zahlt schon gerne freiwillig mehr? Ich fände es durchaus zumutbar, den Unterschiedsbetrag von 0,20 DM je Kubikmeter mehr zu bezahlen. Beim durchschnittlichen Wasserverbrauch einer vierköpfigen Familie würde dies den Gegenwert von ca. 3-4 Schachteln Zigaretten jährlich ausmachen. Sollten diese Überlegungen nicht Anlaß genug sein zu mehr Sorgfalt im Umgang mit Trinkwasser?

Elsbeth Biagioli


Die Entwicklung Zirndorfs zur Metropole!

Betrachtet man die Entwicklung Zirndorfs, so können einem nur graue Haare wachsen. Denn Zirndorf wächst und wächst und wächst ... Hierzu eine kleine Gegenüberstellung der Entwicklung der Einwohnerzahlen in Nürnberg, Kitzingen und Zirndorf. Kitzingen wird von hiesigen Politikern oft neidisch zitiert, da es den Status "Große Kreisstadt" hat, obwohl es von Zirndorf schon 1980 bezüglich der Einwohnerzahl überholt wurde. Hinweis: In einer Großen Kreisstadt kann sich der Bürgermeister "Oberbürgermeister" nennen. Als Basisjahr wurde 1840 gewählt (=100), dies sind die ältesten verfügbaren Daten.
Quelle: Statistisches Jahrbuch Bayern Die Entwicklung der Großstädte Anfang des 20. Jahrhunderts ist typisch und bedingt durch die Industrialisierung. Auch Kitzingen (im Umland von Würzburg) und Zirndorf profitierten davon. Aber anders als in Kitzingen, wo die Entwicklung seit 1970 abgeschlossen ist, ging es in Zirndorf erst richtig los. 1980 erreichte es genau wie Nürnberg etwa die 7,5 fache Einwohnerzahl von 1840. Nürnberg hat damit aber nun einen Abschluß gefunden. Anders in Zirndorf. Wenn die Tendenz der Einwohnerentwicklung so weiter verläuft, dann hat Zirndorf 2010 mindestens 35.000 Einwohner und somit 13 mal so viel wie 1840 oder das Doppelte von 1970. Kitzingen hingegen wird auch 2010 noch die gleiche Einwohnerzahl wie 1970 haben - trotz Großer Kreisstadt. Weder der Titel "Große Kreisstadt" noch die Einwohnerzahl sagen etwas über die Lebensqualität aus. Denn auch in der Übersichtlichkeit einer gewachsenen Kleinstadt kann eine Chance liegen. Kitzingen ist hier ein gutes Vorbild. Auch wenn jetzt große Teile der Landkreisverwaltung nach Zirndorf in die ehemalige Pinder-Kaserne wandern, Zirndorf dann endlich den Titel "Große Kreisstadt" bekommt und der Bürgermeister "befördert" wird, kann es wie Kitzingen eine lebens- und liebenswerte Kreisstadt bleiben. Die fußläufige Erreichbarkeit der wichtigsten Versorgungseinrichtungen ist hierbei wichtig. Auf diese Weise läßt sich der umweltbelastende Autoverkehr reduzieren. Denn trotz Katalysator macht das Auto Lärm und verbraucht Energie und Fläche. Es gibt natürliche Grenzen des Wachstums - Bibert, Wasserschutzgebiete, Wald und Infrastruktur (Schulen, Kindergärten, Einkaufsmöglichkeiten) stehen in direktem Zusammenhang. Hier ist eine abgestimmte, vorausschauende Planung notwendig. Damit Zirndorf nicht endgültig zur Schlafstadt von Nürnberg und Fürth wird - der größte Teil der Arbeitsplätze wird wohl auch künftig in diesen Städten liegen - und der Straßenverkehr noch unerträglicher wird, dürfen keine neuen Wohngebiete mehr entstehen. Bescheidenheit ist und bleibt auch hier eine gute Tugend.

Werner Schmidt, Sprecher d. Landesarbeitskreises Verkehr und Siedlungswesen


Der nächste Zirndorfer Spiegel erscheint
Ende 2000 oder Anfang 2001!

12. Oktober 1999