Wir begrüßen, dass die von uns angeregte Vorstellung des Schulentwicklungsgutachtens zustande gekommen ist und danken für die Einladung der Stadt-, Markt- und Gemeinderätinnen und -räte. Wir haben uns als Fraktion – auch im Rahmen einer Klausurtagung – intensiv mit dem Schulentwicklungsgutachten vom Mai 2026 auseinandergesetzt und stehen im Austausch mit den Schulfamilien.
Beim gemeinsamen Aktionstag „Kommunen am Limit – Uns steht das Wasser bis zum Hals“ am 22. Juni 2026 haben Sie gemeinsam mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern des Landkreises auf die zunehmend angespannte finanzielle Lage der Kommunen hingewiesen. Eine weiter steigende Kreisumlage ist neben den übrigen Belastungen für viele Gemeinden kaum noch zu verkraften. Als Mitglieder des Kreistags sehen wir es als unsere Aufgabe, zu prüfen, ob und wie dieser Anstieg noch abgemildert werden kann.
Wir sehen uns insbesondere auch als Sprachrohr vieler Bürgerinnen und Bürger, die nachfolgende Fragen an uns herangetragen haben. Obwohl vieles schon in den Kreisgremien diskutiert und beantwortet wurde, ist uns gerade auch nach außen hin an einer transparenten Aufarbeitung gelegen, gerade weil die Planung für die Schulneubauten bereits läuft, während das aktuelle Gutachten mit seiner veränderten Prognose dem gesamten neu gewählten Kreistag erst jetzt in dieser Tiefe vorgestellt wird.
Bereits heute stehen an den Bestandsschulen Interimsbauten, die Sport- und Pausenflächen beanspruchen. Dass diese Provisorien langfristig entfallen sollen, unterstützen wir ausdrücklich; umso wichtiger ist uns, dass die dafür vorgesehenen Lösungen auch tatsächlich tragen.
Angesichts der angespannten Haushaltslage – mit zu befürchtender steigender Bezirks- und Kreisumlage – bitten wir um schriftliche Beantwortung der folgenden Fragen vor oder im Rahmen der Sondersitzung am 26.10.2026.
I. Zeitliche Dimension
1. Zeitschiene
Die Jahrgänge des Schülermaximums 2031–2034 sind bereits geboren. Der Bedarf ist real. Cadolzburg erreicht 2031 aber erst 313 Schülerinnen und Schüler und sein Maximum von 567 laut Prognose erst 2037; die volle Entlastung wird selbst laut Gutachten erst für 2037/38 in Aussicht gestellt. Deckt der Neubau den eigentlichen Peak damit überhaupt ab?
II. Schulgröße und Bildungsangebot
2. Genehmigungsgrundlage
Laut Genehmigungsbehörde sollte eine Neugründung dauerhaft mindestens 600 Schülerinnen und Schüler bei drei Zügen erreichen. Cadolzburg erreicht laut neuem Gutachten (ohne Umverteilungen) zu keinem Zeitpunkt bis 2043 diese Marke – Höchstwert 567 (2037), danach weiter sinkend. Ist ein Festhalten am Standort vertretbar, wenn die fachliche Grundlage heute nicht mehr gegeben ist?
3. Gymnasium Stein
Das Gymnasium Stein ist mit 1.069 Schülerinnen und Schülern bei einer Genehmigung für 700 bereits heute zu 152 % ausgelastet und bleibt bis 2043 bei rund 1.381 Schülerinnen und Schülern, unabhängig vom Neubau in Cadolzburg. Wie soll die geplante Verkleinerung und der dafür notwendige Ringtausch von Schülerinnen und Schülern zwischen Stein, Oberasbach und Cadolzburg gelingen, ohne die freie Schulwahl der Eltern einzuschränken?
4. Zügigkeit und Kursangebot
Sowohl Cadolzburg als auch der Neubau in Langenzenn sollen langfristig auf 33 Klassen bzw. rund 830 Schülerinnen und Schüler ausgelegt werden. Nach aktueller Prognose erreicht Cadolzburg diese Größe nicht. Sind bei diesen Schülerzahlen ein breites Kurs- und Wahlangebot sowie eine attraktive Oberstufe dauerhaft darstellbar? Wie soll Cadolzburg bei der geringeren Größe wettbewerbsfähig mit den anderen drei Gymnasien im Landkreis sein?
5. Wirtschaftlichkeit
Zwei dauerhaft kleine Gymnasien verursachen in der Regel höhere Verwaltungs- und Sachkosten pro Schülerin bzw. Schüler als ein groß dimensionierter Standort. Liegt eine Gegenüberstellung der Betriebskosten vor, die den wirtschaftlichen Betrieb zweier kleiner Gymnasien (Cadolzburg und Langenzenn) einem größer dimensionierten Standort gegenüberstellt? Mit welchen zusätzlichen Personalkosten muss der Landkreis durch das vierte Gymnasium dauerhaft rechnen?
III. Alternativprüfung
6. Alternativprüfung
Die genannten Alternativen – zusätzliche Raummodule, ein größerer Schulcampus Langenzenn – bleiben ausdrücklich ohne belastbare Kostenschätzung. Wurde eine Kombination moderater Erweiterungen an allen drei Bestandsstandorten mit den aktuellen Zahlen von 2026 geprüft?
IV. Finanzielle Tragfähigkeit
7. Gesamtkostenschätzung
Liegt eine konsolidierte Investitions- und Folgekostenschätzung für beide Neubauten zusammen vor – inklusive Kreisumlageeffekt, zusätzlicher Hallenkapazitäten und möglicher Indexierung durch Verzögerung?
8. Schülerverkehr
Welche zusätzlichen Buslinien bzw. Anpassungen des Schülerverkehrs sind für die Anbindung des Gymnasiums Cadolzburg erforderlich, und mit welchen zusätzlichen Kosten ist gegenüber der heutigen Ist-Situation zu rechnen?
9. Kreisumlage-Verlauf
Zu welchem Zeitpunkt ist angesichts der parallelen Baumaßnahmen mit dem höchsten Stand der Kreisumlageeffekte zu rechnen, und ab wann rechnet der Landkreis mit einer Kreisumlage ohne diese Baueffekte?
V. Folgenutzung Bestandsgebäude
10. Nachnutzung Realschulgebäude
Die Realschule Langenzenn soll langfristig in das umgebaute bisherige Gymnasial-gebäude umziehen. Wie ist die Nachnutzung des dadurch freiwerdenden bisherigen Realschulgebäudes vorgesehen, falls die Stadt Langenzenn ihre bisherigen Planungen nicht weiter verfolgen sollte?
Uns geht es nicht darum, Investitionen in Bildung infrage zu stellen oder Verantwortung einseitig zuzuweisen. Vielmehr wollen wir mit dieser Anfrage dazu beitragen, Unklarheiten im öffentlichen Debattenraum auszuräumen. Es geht uns um eine vollständige, transparente Grundlage für Entscheidungen dieser Tragweite – im Interesse starker, gut ausgelasteter Schulen und einer soliden Haushaltsführung für die kommenden Jahre.
Kreistagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
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